PRESSE

ALLES AM ARSCH

Download der Pressefotos in druckbarer Qualität (ZIP, August 2017)

Kritik auf kurier.at von Heinz Wagner (06.03.2017)

Spürst du andere (noch)?
Junges Theater-Gruppe „E3-Ensemble“ spielt „Alles Am Arsch“ im Wiener Off-Theater und entblößt Ichbezogenheit, Rücksichtslosigkeit und Entsolidarisierung.
Ein weißer, sozusagen neutraler Würfel. Nur in der Mitte ein kreisrundes schwarzes Podium mit Schlagzeug drauf. Und an den weißen Seitenwänden nahe den Publikumstribünen links und rechts ein metallener Haltegriff. So präsentiert sich anfangs die Bühne für „Alles Am Arsch“ des E3-Ensembles aus jungen engagierten Theaterleuten (die teils schon seit der Kindheit dem Theater verfallen sind), deren achte Produktion die neueste Performance ist – die zweite, die sie von null auf gemeinsam entwickelt haben.

Ans Eingemachte
Keine sogenannten „Wutbürger_innen“, die über alles und jedes lästern bespielen diese dichte, heftige, manchmal fasst unaushaltbare Stunde. Zu einer solchen entwickelt sich das Stück, das mit ein paar Witzchen über Fürze und Hinterteile beginnt, um das Publikum mit Lachern zu fangen. Die Darsteller_innen, die gleichzeitig ja auch die Autor_innen und davor Ideensammler_innen usw. waren, geben viel von sich Preis. Lauter echte Geschichten, auch wenn sie nicht immer von der jeweiligen Erzählerin/dem Erzähler stammen – aber eine/r aus der Gruppe hat’s erlebt, oftmals getan – als Täter_in. Die sich selbst immer wieder als ach so Gute bezeichnende Person hat einen Mitschüler mit Behinderung geschlagen, wenn sie mit ihm allein war, „weil er dann so lustige Grimassen gemacht hat und die wollte ich sehen“. Und das ist nur eine dieser Geschichten. Eine andere Person – es sei nicht allzu viel vorweggenommen – unterbricht alle anderen und „rechtfertigt“ dies mit dem Vor-/Einwand, das von anderen Gesagte hätte null Relevanz.

Sehr körperlich
Die ständig steigende verbale Eigen-Entblößung wird aber auch sehr körperlich. Abgesehen vom Radfahren auch auf engstem Radius, kriegt die Dauer-Unterbrecherin, die noch dazu sinniert, weshalb alle sie für so liebenswürdig halten, vom Dauer-Kuchen-Esser eine sehr heftige arge Schokotorten-Abreibung, die sie so verletzt, dass sie sich stark behindert in Super-Zeitlupe über die Bühne schleppen muss.

Spürbare Ich-Bezogenheit
Trotz Interaktionen scheint jede und jeder zu signalisieren: Außer mir gibt es nur mich. Keine Rührung, wenn von Bomben auf Aleppo die Rede ist, kein wirkliches Wahrnehmen anderer. „Diese Ich-Bezogenheit, Rücksichtslosigkeit, Entsolidarisierung wollten wir herausarbeiten und darstellen. Dazu haben wir authentische Geschichten bei uns selbst, in unserer Gruppe gesucht. Wir haben rund 300 Seiten zusammengeschrieben, aus denen wir dann das Stück entwickelt haben“, schildert Isabella Jeschke dem Kinder-KURIER. Es ist voll arg gelungen, spürbar. Immer wieder läuft’s kalt über den Rücken, manchmal stellt sich das Gefühl ein: „Na, das ist aber jetzt zu arg…“ Aushaltbar wird’s eigentlich erst durch die immer wieder einfließende (Selbst-)Ironie bis hin zur Komik, die zu lachenden Atempausen führt.

Kritik auf Wiener Zeitung.at von Petra Paterno (08.03.2017)

Wunschbilder
Zwei neue Gruppen – YZMA Theaterkollektiv und E3 Ensemble – schlagen radikale Wege bei der Stückentwicklung ein.

Das Gegenwartstheater befindet sich im Umbruch, neue Darstellungsformen entwickeln sich, auch Stücke entstehen nicht mehr ausschließlich am Schreibtisch, sondern sind das Ergebnis von kollektiven Recherchen und experimenteller Probenarbeit. Bei der Stückentwicklung wird häufig ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema mit persönlichen Erfahrungen kurzgeschlossen und popkulturell hochgetunt. Hoher Unterhaltungswert ist dabei zumeist garantiert. International sorgten Formationen wie Forced Entertainment für Furore, in Deutschland haben Performance-Kollektive wie She She Pop und Gob Squat seit den 1990er Jahren mit ihren knallbunten Auftritten die Performance-Szene aufgemischt. Hierzulande gelten etwa Theater im Bahnhof, aktionstheater ensemble und toxic dreams als Pioniere in Sachen selfmade Texte. Nun gibt es zwei neue Gruppen – YZMA Theaterkollektiv und E3 Ensemble – die in der Wiener Theaterlandschaft auf sich aufmerksam machen.

Für das E3 Ensemble, 2013 gegründet von Isabella Jeschke und Gerald Walsberger, war das Erstarken rechtspopulistischer Kräfte Ausgangspunkt für die Aufführung „Alles am Arsch“, die nun in der Open Box im Off Theater in Wien Neubau zu sehen ist. Das vierköpfige Ensemble betritt in grauer Alltagskleidung (Ausnahme: Gerald Walsberger im schwarzschimmernden Abendkleid) die ganz in Weiß gehaltene Bühne. In der Bühnenmitte sitzt Sebastian Spielvogel am Schlagzeug und gibt den Takt vor. Die knapp einstündige Aufführung variiert kaleidoskopartig die Befindlichkeit urbaner Twentysomethings: Auf intime Äußerungen (ausführlich ist vom Scheißen und Furzen die Rede) folgen banale Alltagsschilderungen, philosophische Überlegungen wechseln sich mit launigen Betrachtungen zum Gegenwartstheater ab und werden von tristen Kindheitserinnerungen abgelöst. Eine atemlose Aufführung, die viele Fragen stellt – und die Antworten schon im Stücktitel mitliefert: „Alles am Arsch“.

Von urbanen Albträumen zu utopischen Tagträumen: In „Utopia“ verhandelt das YZMA Theaterkollektiv, 2014 gegründet von Milena Michalek, Karl Börner und Johanna Wolff, das gegenwärtige Potenzial von Sozial-Utopien. Das Auftragswerk läuft in der Theaterwerkstatt des Landestheater Niederösterreich in St. Pölten. Ausgehend von Thomas Morus philosophischem Roman „Utopia“ (1516), entwickelt das Theaterkollektiv Wunschbilder für eine bessere Welt. In Fantasiekostümen, stark geschminkt und mit wild toupierten Haaren zeigen Zeynep Bozbay, Tim Breyvogel, Florian Haslinger und Johanna Wolff spielfreudig Szenen aus Morus’ Klassiker, die auf der fingierten Insel Utopia spielen. Unterbrochen werden die Episoden von gefilmten Dokumentarszenen. Die Theatermacher befragten dabei Menschen, die in gewisser Weise Utopien leben, darunter Frater Isaak vom Stift Heiligenkreuz, Johann Feilacher, Leiter der Galerie Gugging. und Heinrich Staudinger, Gründer der Firma Gea. Die 90-minütige Aufführung changiert gekonnt zwischen Fiktion, Recherche und Improvisation. „Utopia liegt oft direkt vor unseren Füßen“, schrieb einst Ludwig Tieck. „Aber wir sehen mit unseren Teleskopen darüber hinweg.“ Theater für Scharfseher.

Kritk im Falter.Stadtzeitung. von Theresa Gindlstrasser (08.03.2017)

Kritik auf callisti1010.com von Alexander Tilling (06.03.2017)

Das E3 Ensemble – „Alles Am Arsch“ im OFF Theater
Volksbühne Wien Regisseur Alexander Tilling war bei der Premiere des E3 Ensembles. „Alles am Arsch“ verknüpft die Lebenswelt der Darsteller_innen mit dem derzeitigen Weltgeschehen. Das ist laut, leise, lustig und irritierend.

Beim Einlass in den Saal präsentiert sich ein sehr reduziertes Bild: ein schwarzes Schlagzeug auf einem schwarzen Podest in der Mitte eines weißen Raumes. Diese beeindruckende Klarheit wird in der Ausstattung fortgesetzt und durch zwei schwarze Fahrräder, die die PerformerInnen auf die Bühne rollen, ergänzt. Dazu kommen Kostüme in grau, weiß und schwarz, die eine monochrome Bildfläche unterstreichen. Auf der Ebene des Tons wird diese vom Schlagzeug unterbrochen, untermalt oder einfach begleitet. Der Beat als Protagonist (Schlagzeug: Sebastian Spielvogel), der immer wieder mal lauter, mal leiser die Aktion der Performer_innen unterbricht, bzw. untermalt, formt diesen Abend. Nirgends wird dies deutlicher, als bei der Performance einer Art wütendem Yoga, das zum Rhythmus des Schlagzeugs immer schneller wird.

Klassische Figuren gibt es hier im herkömmlichen Sinn nicht, ebenso wenig, wie eine klassische dramatische Handlung. Dafür begegnen einem sehr ehrliche Erlebnisse aus dem Privatleben der Performer_innen, die zusammen eine bildhafte Montage ergeben. Geschichten über das Furzen oder das Auswischen des Hinterns nach dem Stuhlgang werden dem Weltgeschehen gegenübergestellt. Der Syrienkrieg, Trump und die Flüchtlingskrise sind nur einige der Schlagwörter, die assoziativ über die Bühne huschen und schnell auch wieder weg sind. Abgelöst werden diese durch Schilderungen einfacher Erlebnisse aus dem Alltag oder Momente des Tanzens, in denen das Schlagzeug plötzlich laut wird.
Das E3 Kollektiv stellt hier die Frage nach der Empathielosigkeit einer Gesellschaft oder der Teilnahmslosigkeit, die wir in gewissem Maße alle aus der Perspektive einer ironisierten Hipster-Logik abtun können. Dazu zählt May Garzons Beschreibung, warum ihr nicht dasselbe passiert, wie den sterbenden syrischen Kindern aus dem Fernsehen. Währenddessen stößt Tom Waldek Isabella Jeschke zu Boden und schmiert sie mit braunem Schokokuchen ein – ein symbolhafter Akt des „Anscheißens“. Eine entfremdete Logik wird mit Ehrlichkeit gemischt und dabei entstehen für die ZuseherInnen sehr lohnende Momente der Komik, aber auch der Irritation.

Fazit: Die assoziative Menge von losen Aneinanderreihungen verliert zeitweise ihren Fokus, findet aber immer wieder zu grandiosen Bekenntnissen der Performer_innen zurück.


WE WANTED THIS TO BE SOMETHING SPECIAL

Kritik und Bericht von Daniela Schuh im „Senf Magazin“ (Ausgabe April 2016)

Senf_Magazin

Interview bei Radio ORANGE 94.0 in der „Kulturschiene“ moderiert von Martin Oberlechner (15. Jänner 2016)

Kritik auf kurier.at von Heinz Wagner (19.01.2016)

Ver-rückte Suche nach Zeit, Raum – und Sinn!

„We wanted this to be something special“ im Theater Drachengasse ist eine witzig-skurrile Performance – nicht zuletzt über die Hektik.
Eine völlig neues Raumgefühl in diesem kleinen Theater, dem kleineren Raum in der Drachengasse. Publikumsreihen auf der Bühne – schräg gestellt. So stehen auch die Reihen unten – dort wo sonst das Publikum in klassischen Frontal-Reihen sitzt. Auf der Bühne neben Stühlen eine Art Galgen mit einer oben an zwei Punkten aufgehängten großen Metallplatte, die damit relativ frei schwingen kann – und m Lauf der rund 75-minütigen Performance auch immer wieder in Schwingungen versetzt wird – mal werden ihr sanfte, leise Geräusche entlockt, dann wiederum dient sie als Art Riesengong.

Vom Urknall bis zum Kalb
Ist schon dieses Setting samt Live-Geräusch-Musik spannend, so potenziert sich das durch die Auftritte des Schauspiel-Trios. Auf der hochphilosophischen Frage nach Raum und Zeit – und wie war das vor dem Urknall, wenn’s keine Zeit gegeben hat, wie gab’s dann ein vorher? Bis zur eher erdigen Frage, wie junge Kälber, der Mutterkuh entwöhnt, maschinell gefüttert werden, rasen die drei – meist (manchmal agieren sie auch sehr verlangsamt) – durch den Raum inmitten und zwischen den Publikumsreihen.

(Erfundene) Reisen und Wattebällchen
Ticks und blutrünstige Träume, Reisen ans andere Ende der Welt, auch wenn diese am Ende sich eher als erfunden outen, Sternenstaub und Sternexplosionen, Dekonstruktion von Wortbildern – etwa vom Herz, das in die Hose rutscht -, verteilte Wattestückchen, die – zumindest für Momente – flauschig-wohlig-warme real erlebte Empfindungen vermitteln (sollen), ein Moment Stille, in dem dem Publikum angeboten wird, jetzt mit Mama oder Papa telefonieren zu dürfen – nachdem der Schauspieler mit bäuerlich-Südtiroler Herkunft via Kamera vom anderen Ende des Theatersaals auf die Klangplatte projiziert mehrmals von anrufen der Mama erzählt, immer dann, wenn er auf dem Klo gesessen ist.

„We wanted this to be something special“ ist eine witzig-skurrile Performance, ein sehr vergnüglicher Theaterabend in kongenialem Zusammenspiel von Schauspiel, Live-Musik und Raumgestaltung.


VIRGINIA WOOLF

Interview im Ö1 Kulturjournal (23. März 2015) | Ankündigung im Vormagazin (März 2015) | Ankündigung in der NÖN (23. Februar 2015) | Ankündigung im Folder des Kulturnetz Rabenstein (Kulturfrühling 2015) | Titelblatt und Bericht im Bezirksblatt Pielachtal (11./12. März 2015)


BASH

Bericht im Bezirksblatt Pielachtal von Katrin Fischer

Gelungene Inszenierung des Theaterstücks „bash“

RABENSTEIN (kf). Das „E3 Ensemble“ gastierte vergangenes Wochenende in Rabenstein, um das Theaterstück „bash: stücke der letzten tage“ des US-Autors Neil LaBute aufzuführen. In „bash“ erzählen alle Charaktere mit erschreckender Nüchternheit über ihre begangenen Taten und skizzieren dabei ein erschütterndes Bild der modernen Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Die Zuschauer – unter ihnen Martina und Claudia Datzreiter, Christoph Janker, Andrea Pils, Thomas Reisenhofer, Karl und Josefa Steineder, Anna, Ernst und Christian Walsberger und viele andere – ging die ehrliche und direkte Spielweise des Ensembles unter die Haut.

Kurzkritik von Frederick Flegel, Theatania (19. Mai 2014)

Ein Wasserhahn tropft in einen Eimer, ein Paar küsst sich lachend, das Baby schläft still.
Der Eimer ist Randvoll mit Blut, der Mann hat einen Mord hinter sich und das Baby ist tot.

Ein Stück über Mörder wie du und ich von Neil LaBute. Drei Geschichten, eine jede ein Geständnis an das Publikum – „Könnt ihr mich hören?“ Drei Schicksale um Job, Beziehung und Hoffnung, drei Morde angelehnt an die griechische Tragödie. Die absurd nüchterne Sachlichkeit der Darstellung, die die sich langsam herausschälende Falschheit immer weniger maskiert und den Zuschauer plötzlich und unmittelbar vor das ganz alltäglich Böse stellt, ist in ihrer Eindringlichkeit kaum zu überbieten.

Das Bild kippt jedesmal, der Wahnsinn wird deutlich und ist so schnell wieder unter Feigheit und Alltagserwartungen verborgen und vergessen. Der Mörder sitzt lachend mitten unter uns. Das Schicksal – eine rote Ampel oder gottgegebene Ordnung, verbesserte Jobchancen, Egoismus oder einfach die Freude an der Rache für enttäuschte Ideale… Letzten Endes spielt es keine Rolle welche Motive hier die Feder führen. Die Verantwortung oder Schuld findet sich nur in der Erwartung der Zuschauer.

Die Spieler*innen des E3 Ensembles führen mit messerscharfer Präzision und einem Sog, der sich bis nach dem lang anhaltenden Applaus zieht, durch einen Abend, der einem noch lange im Gedächtnis bleibt.


REIGEN

Titelblatt und Bericht (11./12. September 2013) im Bezirksblatt Pielachtal | Ankündigung (Woche 35, 2013) und Bericht (Woche 20, 2014) in der NÖN


NACH DEM ENDE

Ankündigung (05./06. September 2012), Titelblatt, Bericht und „Nachgeschenkt“ (17./18. Oktober 2012) im Bezirksblatt Pielachtal


SCHUTT

Kurzkritik von Frederick Flegel, Theatania (21. November 2013)

“Babys wachsen auf dem Müll – wie Pilze. Ich weiß es, denn ich habe eines gefunden.”

Skurril und tief schwarz präsentiert das E3 Ensemble das Debütstück des britischen Dramatikers Dennis Kelly. Die Bühne des Pygmalion Theaters ist leer. Erst nach und nach entspinnt sich aus der Phantasie der beiden Spieler das niederdrückende Szenario, immer unter dem Vorbehalt, nur eine mögliche Version der Wahrheit zu sein.

Es ist der Versuch ungewollter Kinder, Unbegreifliches in verständliche Bilder zu bringen. Es ist der Versuch, die Kontrolle zu erlangen, in einer Welt, die schon längst nicht mehr so funktioniert – noch nie so funktioniert hat, wie sie sollte: Der Vater kreuzigt sich im eigenen Wohnzimmer, die Mutter stirbt mehrmals. Ein Baby wird auf dem Müll gefunden und der eigene Onkel entführt die Geschwister, um sie zu verkaufen.

Letztendlich spielt es keine Rolle mehr, was genau passiert ist. Die Bilder erfüllen ihre bedrückende Wirkung kindlich interpretiert noch eindringlicher und dunkler als das unverstellt Gezeigte es je könnte. Eine beeindruckende Produktion, die hoffentlich nicht nur einmal wieder aufgenommen worden sein wird.